Von Ushuaia nach Ushuaia
Wenn das Schiff in Ushuaia abfährt, entsteht ein besonderes Gefühl. Denn ab jetzt ist man auf einer Expeditionsreise ins Unbekannte, auf den Spuren großer Entdecker und Polarforscher, wie Sir Ernest Shackleton, Robert Falcon Scott oder Roald Amundsen. Wir waren im Dezember 2024 dabei und haben die Falkland-Inseln, Südgeorgien und die antarktische Halbinsel bereist.
Einmal den südlichsten Punkt unserer Erde zu erreichen, ist mehr als ein Reiseziel. Es ist ein Moment, der sich festsetzt - lange nachdem Sie zurückgekehrt sind. Die Antarktis ist kein Ort für klassische Reisen. Es gibt keine Städte, keine Infrastruktur, keine Inszenierung. Stattdessen erwartet Sie eine Landschaft, die in ihrer Klarheit kaum vergleichbar ist: treibende Eisberge, gewaltige Gletscher und eine Stille, die man so selten erlebt.
Die Antarktis ist der einzige Kontinent ohne dauerhafte Besiedlung und ein Naturraum, der sich weitgehend ohne menschlichen Einfluss entwickelt hat. Eine Antarktiskreuzfahrt verbindet diese Ursprünglichkeit mit Komfort: spezialisierte Expeditionsschiffe, erfahrene Teams und Zugang zu einer der entlegensten Regionen der Erde aus nächster Nähe.
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Keine Expedition verläuft nach starrem Plan. Route und Tagesablauf werden täglich an Wetter, Eis und Tierbewegungen angepasst. Typisch sind Zodiac-Anlandungen in kleinen Gruppen, ruhige Fahrten entlang von Eisfronten und stille Momente an Deck, welche oft die eindrücklichsten der gesamten Reise sind. Diese Flexibilität ist kein Kompromiss, sondern der eigentliche Luxus dieser Reiseform, denn das Wetter und die Eislage bestimmt den Kurs.
Typische Bestandteile einer Expedition:
Der Zugang zur Antarktis erfolgt fast ausschließlich per Schiff. Die Antarktische Halbinsel bietet geschützte Kanäle und vorgelagerte Inseln. Landwege existieren hier nicht. Die meisten Expeditionen starten in Ushuaia, dem südlichsten Punkt Argentiniens, und überqueren in etwa zwei Tagen die Drake-Passage. Alternativ gehen Reisen im chilenischen Puerto Williams oder in der Hauptstadt Argentiniens Buenos-Aires los.
In 10–12 Nächten erleben Sie die Highlights der Halbinsel: Weddell-Meer, Gerlache Strait, Lemaire Channel, Deception Island. Mit 16–20 Nächten und mehr kommen Südgeorgien und die Falklandinseln hinzu - mit einer Tierwelt und Landschaft, die sich von der Halbinsel grundlegend unterscheiden. Nicht umsonst wird Südgeorgien die Savanne der Antarktis genannt. Dort, wo die Königspinguine in Kolonien von teilweise über 10.000 Tieren ihre Heimat haben.
Übrigens: Wer die Drake-Passage umgehen möchte: Fly & Cruise bspw. mit Silversea ab Punta Arenas nach King George Island ist möglich, bleibt aber wetterabhängig. Gerade für Antarktis-Interessierte mit wenig Zeit ist dies eine spannende Variante.
Unser Tipp: Planen Sie mindestens eine Übernachtung in Buenos Aires oder Ushuaia vor Abfahrt ein. Beide Städte lohnen sich, und die Puffer tun es auch.
Hapag-Lloyd Cruises – Expeditionsexpertise im kleinen Kreis
Die drei HANSEATIC Expeditionsschiffe stehen für intensive Naturerlebnisse, kleine Gästezahlen und große Polarerfahrung. Auf Antarktis-Reisen sind maximal 199 Gäste an Bord. Erfahrene Expeditionsteams, zahlreiche Zodiac-Anlandungen und flexible Routen machen Hapag-Lloyd Cruises besonders interessant für Reisende, die den Expeditionscharakter in den Mittelpunkt stellen und zugleich hohen Komfort sowie ein deutschsprachig geprägtes Borderlebnis schätzen.
Silversea – Expedition und Luxus auf höchstem Niveau
Silversea verbindet intensive Expeditionserlebnisse mit großzügigen Suiten, persönlichem Service und einem ausgeprägten Luxusverständnis. Eine Besonderheit sind die Antarctica Fly Cruises: Je nach Reise lässt sich die Drake Passage per Flug überbrücken und die Zeit unmittelbar in der Antarktis maximieren. Eine sehr gute Wahl für Gäste, die bei einer Expedition möglichst wenige Abstriche bei Komfort und Service machen möchten.
HX Expeditions – Entdecken, verstehen und aktiv erleben
HX blickt auf eine lange Tradition in den Polarregionen zurück und legt besonderen Wert auf die inhaltliche Dimension einer Expedition. Expeditionsteams, Science Centres und Citizen-Science-Projekte vermitteln ein tieferes Verständnis für Natur, Tierwelt und Klimaforschung. HX passt besonders zu neugierigen Reisenden, die die Antarktis aktiv entdecken und mehr über das erfahren möchten, was sie unterwegs erleben.
Scenic – Discovery Yacht mit außergewöhnlichen Möglichkeiten
Scenic Eclipse verbindet ein ausgeprägtes Ultra-Luxury-Borderlebnis mit moderner Expeditionstechnik. In der Antarktis reisen maximal 200 Gäste an Bord, begleitet von einem großen Discovery Team. Neben Zodiac-Fahrten und Kajaktouren eröffnen - abhängig von Reise, Wetter und Genehmigungen - Helikopter und Tauchboot zusätzliche Perspektiven auf die Polarwelt. Scenic empfiehlt sich besonders für Gäste, die Expedition mit außergewöhnlicher Schiffsausstattung, großzügigem Komfort und besonderen Erlebnisformaten verbinden möchten.
PONANT – französische Eleganz und außergewöhnliche Polarrouten
PONANT verbindet Expeditionen auf kleinen Schiffen mit französisch geprägter Lebensart, Gastronomie und elegantem Bordambiente. Eine besondere Stellung nimmt Le Commandant Charcot ein: Der leistungsfähige Polar-Eisbrecher ermöglicht Reisen in Regionen und durch Eisbedingungen, die für konventionelle Expeditionsschiffe nicht erreichbar sind. PONANT ist damit besonders interessant für erfahrene Reisende, die neben Komfort auch außergewöhnliche und selten angebotene Polarrouten suchen.
Seabourn – Ultra-Luxury trifft moderne Expedition
Mit der Seabourn Venture und der Seabourn Pursuit verbindet Seabourn sein bekanntes Luxus- und Servicekonzept mit eigens für Expeditionen konzipierten Schiffen. Große Expertenteams begleiten Zodiac-Fahrten, Landgänge und weitere Expeditionserlebnisse und vermitteln fundiertes Wissen über die Polarregion. Seabourn eignet sich besonders für Gäste, die eine echte Expedition erleben möchten und dabei großen Wert auf ein kultiviertes, hochwertiges Borderlebnis legen.
Die Preise für Antarktis-Kreuzfahrten unterscheiden sich deutlich nach Reisedauer, Route, Reederei und Kabinenkategorie. Aktuelle Expeditionsreisen zur Antarktischen Halbinsel beginnen bei Leconic Cruises je nach Termin und Schiff teilweise bei rund 11.000–15.000 € pro Person. Längere Reisen mit Südgeorgien und Falklandinseln sowie besonders luxuriöse Expeditionsschiffe können deutlich darüber liegen. Außergewöhnliche Routen wie eine Halbumrundung oder vollständige Umrundung der Antarktis erreichen entsprechend höhere Reisepreise. Wir besprechen gerne mit Ihnen persönlich Ihren Reisewunsch und finden für Sie die passende Reise und das passende Angebot. Wir prüfen dabei jederzeit die aktuellen Reederei-Angebote.
Die Antarktis-Saison läuft von November bis März und jeder Monat hat seinen eigenen Charakter.
November bringt frische Schneeflächen, erste Balz und Brut, weniger Schiffe und teils geschlossenere Eisfelder. Für viele erfahrene Expeditionsreisende die ruhigste und stimmungsvollste Zeit.
Dezember und Januar sind die lichtreichsten Wochen: fast keine Dunkelheit, aktive Pinguinkolonien, viele Vögel wie bspw. der Schwarzbrauenalbatros oder der eher selten gesehene Wanderalbatros. Die Hochsaison mit entsprechend mehr Schiffen auf beliebten Routen.
Februar und März, wenn die Brut schon groß gezüchtet ist, verschiebt sich der Fokus in Richtung Wale: Buckelwale, Finnwale, vielleicht ein Blauwal, aber sehr wahrscheinlich der Spitzenpredator Schwertwal, auch Orca oder Killerwal genannt. Mehr offenes Wasser, weniger Bruttreiben in den Kolonien, dafür intensivere Walbegegnungen und insgesamt deutlich weniger Schiffe in der Region. Wenn man überhaupt von Verkehr sprechen kann, denn ein anderes Schiff auf der eigenen Route bleibt ein seltener Anblick
Die beste Reisezeit hängt davon ab, was Sie suchen: frühe Saison für Schnee und Brut, Hochsommer für Licht, Spätsaison für Wale. Viel Eis gibt es jederzeit zu sehen. Wir beraten Sie gerne zur besten Reisezeit und zeigen Ihnen die Optionen auf: passende Reederei & Route.
Die Westseite der Halbinsel bietet vergleichsweise geschützte Kanäle. Die Ostseite und das Weddellmeer sind eisreicher, weniger befahren und atmosphärisch nochmals anders. Die küstennahen Temperaturen liegen im Südsommer meist zwischen −5 °C und +5 °C.
Schnelle Wetterwechsel gehören zur Antarktis dazu. Nebel, katabatische Winde und kurze Schneeschauer können die Tagesplanung verändern und tun der Stimmung selten Abbruch. Die langen Tage zwischen Dezember und Januar erweitern die Aktivitätsfenster deutlich.
Fotografisch gibt es kaum eine Region, die ihr gleichkommt: Tiefe Sonnenstände zeichnen feine Strukturen im Eis. Klare Kaltluftphasen bieten Fernsicht, die in anderen Regionen kaum vorkommt. Die ruhigsten Lichtstimmungen entstehen meist in den frühen Morgenstunden, wenn noch niemand außer Ihnen an Deck steht.
Die Antarktis erlaubt Tierbeobachtungen im natürlichen Rhythmus aus nächster Nähe, ohne Zäune, ohne Inszenierung. Sichtungen sind wahrscheinlich, nie garantiert. Saison, Route und Eis entscheiden mit.
Die meisten Expeditionen starten in Ushuaia. Typischer Ablauf: Langstreckenflug nach Buenos Aires oder Santiago, Weiterflug nach Ushuaia, Einschiffung, etwa zwei Tage über die Drake-Passage, danach die Halbinsel. Erweiterte Routen binden Südgeorgien oder die Falklands ein. Praktischer Hinweis: Auf Zubringerflügen zu Fly & Cruise-Abfahrten gelten teils strenge Gewichtslimits. Frühzeitig prüfen lohnt sich.
Unser Tipp:
Planen Sie mindestens eine Vorübernachtung vor Abfahrt ein.
Gefahren wird auf kleinen bis mittelgroßen Expeditionsschiffen (meist 100 bis 250 Gäste) mit persönlicher Atmosphäre und erfahrenen Teams, die den Tag inhaltlich rahmen. Die Gastronomie ist hochwertig, die Komfortstufen reichen von expeditionell bis luxuriös.
Was Reedereien wirklich unterscheidet, ist weniger die Schiffsgröße als die Qualität der Hardware, die Atmosphäre an Bord und die Qualität der Expeditionsteams. Hier beraten wir individuell, denn das macht bei einer Reise dieser Art den entscheidenden Unterschied.
Wer wert legt auf deutschsprachige Antarktisreisen, findet diese bei folgenden Reedereien: Hapag-Lloyd Cruises, HX Expeditions, sowie bei Scenic Cruises auf ausgewählten Antarktis Reiseterminen. Hierzu können wir bei Leconic Cruises beraten und Empfehlungen abgeben.
Die Antarktis erfordert eine andere Vorbereitung als klassische Luxusreisen, jedoch keine komplizierte.
An Bord gilt smart casual: leichte Freizeitkleidung tagsüber, abends gepflegt ohne Formalität. Für Landgänge und Zodiac-Ausfahrten zählt das Schichtprinzip: Thermounterwäsche, wärmende Mittellage, darüber eine wind- und wasserdichte Außenschicht. Viele Reedereien stellen Parkas und Gummistiefel. Was Sie zusätzlich benötigen, besprechen wir gerne auch im Vorfeld.
Die Antarktis ist keine Reise für nebenbei.
Aber für viele ist sie genau die Reise, die bleibt.
Wer eine Antarktis-Kreuzfahrt plant, findet in unseren Blogbeiträgen detaillierte Informationen zu Themen rund um eine Expeditons-Reise:
Tierwelt der Antarktis: Wenn Natur alle Erwartungen übertrifft
Südgeorgien: Das Herz jeder Antarktis Expedition
Expedition Antarktis: Die Falklandinseln
Weddell-Meer und Deception Island: Expedition pur
Paradise Bay und Lemaire Kanal: Die stille Magie der Antarktis
Weihnachten und Silvester in der Antarktis