CERULEAN-KANARISCHE INSELN
Wer die Kanaren kennt, kennt meistens eine Insel. Eine Kreuzfahrt ändert das. Innerhalb weniger Seemeilen wechseln Vegetation, Küstenform und Licht: Teneriffa hochalpin und vulkanisch, La Gomera fast tropisch, Lanzarote offen und trocken, dem Atlantik zugewandt. Vom Wasser aus erschließt sich der Archipel vollständiger als von jedem Hotelstandort. Kleine Schiffe erreichen Häfen und Reeden, die größere gar nicht anlaufen. Der Tagesrhythmus bleibt ruhig, verändert sich aber spürbar mit der Passatlage, der Dünung und der Himmelsrichtung, in die ein Inselhang schaut.
Die Kanaren funktionieren als Kreuzfahrtregion, weil die Distanzen kurz und die Unterschiede groß sind. Viele Überfahrten dauern nur wenige Stunden; trotzdem landet man auf einer anderen Insel. Teneriffa und Gran Canaria bieten größere Hafeninfrastruktur, El Hierro und La Gomera wirken deutlich ruhiger und näher an der Landschaft selbst. Entlang der Westinseln bestimmen steile Küsten, kleinere Häfen und wechselnde Windbedingungen die Route. Boutique-Kreuzfahrten kombinieren klassische Inselhäfen mit kleineren Anlandungen oder längeren Küstenpassagen an Lavaformationen und Klippen entlang. Start- und Endpunkte liegen meist in Santa Cruz de Tenerife oder Las Palmas, teilweise in Kombination mit Madeira oder den Azoren.
Die Kanaren lassen sich ganzjährig bereisen, und das ist keine Marketingformulierung, sondern Geografie: Der Passatwind hält die Temperaturen stabil, kein Monat fällt wirklich aus dem Rahmen.
Oktober bis Dezember gilt vielen erfahrenen Reisenden als die ausgewogenste Zeit: stabile Passatlagen, ruhige Überfahrten, gute Sichtbedingungen, entspanntere Verhältnisse in den Häfen.
Januar und Februar bieten klare Luft und ruhige Routen; einzelne Atlantikpassagen können bewegt sein, und die Abende kühlen merklich ab.
März bis Mai bringt frisches Grün auf den Westinseln, kräftige Wasserfälle nach den Winterregen und ein Licht, das für Fotografen besonders interessant ist.
Als Alternative zur Mittelmeersaison und als winterlicher Gegenpol zu Nordeuropa sind die Kanaren seit Jahren eine der verlässlichsten Antworten: kurze Flugzeiten, milde Temperaturen, kein Jetlag.
Die größte der Kanaren ist auch die kontrastreichste. Der Teide, mit 3.715 Metern der höchste Berg Spaniens, dominiert die Insel von fast jedem Aussichtspunkt aus. Santa Cruz de Tenerife als Einschiffungshafen hat eine eigene Schwere, eine alte Hafenstadt, die nicht für Touristen gebaut wurde. Die Nordküste ist grün und feucht, die Südküste trocken und klar. Wer Teneriffa nur vom Strand her kennt, sieht es per Schiff zum ersten Mal richtig.
Gran Canaria ist die logistisch wichtigste Insel des Archipels. Las Palmas ist ein echter Großstadthafen mit historischem Kern, und das Landesinnere der Insel mit seinen Caldera-Landschaften gehört zu den weniger besuchten und dabei eindrucksvollsten Regionen der Kanaren. Die Dünen von Maspalomas, direkt am Südkap, sind vom Schiff aus schon von Weitem sichtbar.
Lanzarote ist die eigenständigste der Kanaren. Die Lavafelder des Timanfaya sind nicht pittoresk, sondern wirklich roh; das Licht auf den hellen Lavasanden hat eine Qualität, die kein anderes Licht der Kanaren hat. César Manrique hat die Architektur der Insel geprägt wie kaum ein Künstler eine Insel sonst, und Arrecife als Hafen zeigt ein Lanzarote, das die meisten Urlauber nicht sehen.
Fuerteventura ist die flachste und sandigste der Kanaren. Weite Strände, starker Wind, wenig Bevölkerung. Für Kreuzfahrten ist sie weniger ein Aktivitäts- als ein Kontrastziel: Nach den steilen Vulkanen der Westinseln wirkt die offene Weite Fuerteventuras wie ein bewusster Atemzug.
La Palma ist deutlich grüner und steiler als ihre östlichen Schwestern. Die Caldera de Taburiente, eine der tiefsten Krater Europas, liegt mitten auf der Insel. Entlang der Küstenpfade und Lorbeerwälder wirkt La Palma wie eine andere Klimazone. Wer die Insel 2021 nach dem Vulkanausbruch im Süden besucht, sieht eine Landschaft im Wandel.
La Gomera ist eine der wenigen Inseln der Kanaren, die sich vom Schiff aus noch genauso anfühlt wie vor dreißig Jahren. Tiefe Schluchten, dichte Nebelwälder im Garajonay-Nationalpark, kaum flaches Küstenland. Die Anfahrt von See ist eindrucksvoll: die Insel steigt abrupt aus dem Atlantik auf, ohne Vorwarnung.
El Hierro ist die abgelegenste und eigenständigste der sieben Hauptinseln. Es gibt keinen großen Hafen, keinen Massentourismus und kaum touristische Infrastruktur. Kleine Schiffe sind hier im klaren Vorteil, und wer El Hierro einmal angelaufen hat, versteht, warum es auf keiner anderen Reiseform wirklich zugänglich ist.
Madeira liegt rund 800 Kilometer südwestlich von Lissabon und fühlt sich von den Kanaren aus schon anders an. Steil, grün, mit einer Hauptstadt, die sich hangaufwärts zieht, und einem Levada-Netz, das zu den schönsten Wanderzielen Europas zählt. Für Kreuzfahrten ist Madeira der natürliche Auftakt oder Abschluss einer Kanaren-Route, gut genug für zwei Tage und zu schön, um nur anzulaufen und weiterzufahren.
Die Azoren liegen so weit im Atlantik, dass das Wetter dort eine eigene Dynamik hat. Was das bedeutet: viel Wind, viel Licht, viel Wolke, und eine Natur, die sich durch diese Unberechenbarkeit erhalten hat. Walbeobachtungen auf den Azoren gehören zu den verlässlichsten in ganz Europa; der Pico, der zweithöchste Berg Portugals, steigt direkt aus dem Meer. Für Gäste, die die Kanaren bereits kennen, sind die Azoren der logische nächste Schritt.
Die Kapverden liegen auf halbem Weg zwischen den Kanaren und der westafrikanischen Küste. Zehn sehr verschiedene Inseln, von denen São Vicente mit Mindelo und São Tiago mit Praia die interessantesten Hafenanläufe bieten. Das Klima ist trockener als auf den Kanaren, die Kultur deutlich von der portugiesischen Kolonialgeschichte und westafrikanischen Einflüssen geprägt. Wer die Kanaren mit den Kapverden kombiniert, macht eine der stillen, lohnendsten Atlantikrouten überhaupt.
Die atlantischen Gewässer zwischen den Inseln gehören zu den artenreichsten Europas, was Meeressäuger betrifft.
Delfine begleiten längere Atlantikpassagen, besonders zwischen den Westinseln, mit bemerkenswerter Regelmäßigkeit. Buckelwale und Pottwale sind saisonal in den Gewässern südlich von Teneriffa und rund um die Azoren anzutreffen. Auf den Azoren gehören Walsichtungen bei gut geführten Routen fast zum Standard. Loggerhead-Meeresschildkröten erscheinen gelegentlich in wärmeren Küstenabschnitten.
Der Rhythmus einer Kanaren-Kreuzfahrt entsteht aus kurzen Überfahrten und aktiven Tagen an Land. Viele Gäste verlassen das Schiff morgens früh für Wanderungen, Küstenfahrten oder geologische Exkursionen und sind zum Abendessen wieder an Bord. Durch die kurzen Distanzen wirkt ein Tag auf einer Kanaren-Kreuzfahrt dichter als auf vielen anderen Atlantikrouten.
An Land führen Wege durch Lavafelder, Lorbeerwälder oder über Vulkankrater. Der Untergrund verlangt festes, griffiges Schuhwerk; Strecken sind meist moderat, gelegentlich mit kurzen steilen Abschnitten. Das Aus- und Einbooten läuft auf den meisten Inseln direkt über befestigte Häfen; gelegentlich auf El Hierro oder an exponierten Küstenabschnitten per Zodiac oder Tender. Freie Zeit entsteht auf kurzen Nachmittags- oder Abendpassagen: die Küste ist fast durchgehend in Sichtweite, was diese Routen von offenen Atlantiküberfahrten klar unterscheidet.
Die Atmosphäre ist entspannt, weniger expeditionstechnisch als in Polarregionen, ohne dabei beliebig zu werden. Viele Boutique-Konzepte legen den Schwerpunkt klar auf Landschaft, Navigation und regionale Einordnung. Vorträge drehen sich um Vulkanismus, Passatklima oder die kulturellen Unterschiede zwischen den Inseln.
Die Unterschiede zwischen den Reedereien zeigen sich weniger im Komfortstandard als im Reisecharakter. Manche setzen auf aktive Wanderprogramme und unmittelbaren Zugang zur Landschaft, andere auf längere Küstenpassagen und bewusst ruhige Tage an Bord. Reedereien wie Hapag-Lloyd Cruises, Ponant, Silversea oder Explora Journeys setzen auf den Kanaren auf kleinere Schiffe mit hohem Komfort und individuellen Freiheiten bei Landgängen.
Durch die kurzen Distanzen bleibt die Küste fast ständig sichtbar. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu klassischen Atlantikrouten.
An- und Abreise erfolgen per Linienflug nach Teneriffa oder Gran Canaria. Eine Vorübernachtung vor der Einschiffung ist sinnvoll; Wetter und Flugverschiebungen im Atlantikraum können sich gelegentlich auf den Anreisetag auswirken.
Die Kanaren sind kein Extremklima, aber das Schichtprinzip gilt trotzdem: Zwischen Küste und Höhenlage, zwischen Inselostseite und Inselwestseite ändern sich die Bedingungen schnell. Für aktive Landgänge sind leichte Wanderschuhe und funktionale Tageskleidung oft wichtiger als formelle Abendgarderobe.
Die Kanaren und die atlantischen Inseln sind eine Reiseregion, die man mit jeder Fahrt neu entdeckt. Wer Teneriffa kennt, hat La Gomera noch nicht gesehen. Wer die Kanaren kennt, hat die Azoren noch nicht gesehen. Der Atlantik vor Europa ist größer als er auf der Karte aussieht, und er lässt sich nirgends besser verstehen als vom Deck eines kleinen Schiffes aus.
Welche Kombination aus Inseln, Jahreszeit und Schiff zu Ihnen passt: Das besprechen wir gerne persönlich.