Arktische Entdeckungsreise: Spitzbergen bis Island
Island ist geologisch gesehen kein fertiges Land. Es wächst noch, bricht auf, kühlt ab und bricht wieder auf. Was das auf See bedeutet: Man fährt entlang einer Küste, die sich ständig verändert, nicht im Laufe von Jahrtausenden, sondern spürbar von Tag zu Tag. Lavafelder enden im Meer, Gletscher calven ins Wasser, hinter ruhigen Fjordeinfahrten beginnt ein geothermisches Hochland.
Viele Regionen Islands sind über Land nur mit erheblichem Aufwand erreichbar. Per Schiff entstehen direkte Übergänge: morgens die Westfjorde, nachmittags eine Vogelklippe mit Hunderttausenden Papageitauchern, am nächsten Morgen eine neue Küste, die nichts mit der gestrigen gemein hat.
Island erschließt sich vom Wasser aus anders und oft besser als von Land. Die Ringstraße um die Insel ist beeindruckend, aber sie lässt das aus, was die meisten Inseln überhaupt erst interessant macht: die Küste. Viele der eindrucksvollsten Orte Islands haben keine Straße.
Die meisten Kreuzfahrten beginnen in Reykjavík. Von dort führen Routen entweder nordwärts entlang der Westfjorde und der Nordküste, oder südwärts zu den Vestmannaeyjar-Inseln und der Ostküste. Eine vollständige Umrundung Islands verbindet alle vier Küstencharaktere und dauert zehn bis vierzehn Nächte. Kombinationsrouten mit Grönland oder Jan Mayen und Spitzbergen verlängern die Reise in den hohen Norden.
Die Saison für Kreuzfahrten rund um Island läuft von Mai bis September, jeder Monat mit eigenem Profil.
Mai und Juni zeigen Island frisch: aktive Vogelkolonien, kräftige Wasserfälle durch Schneeschmelze, langes helles Licht. Die Temperaturen sind noch kühl, aber die Luft oft klarer als im Hochsommer. Juli und August sind die stabilsten Monate für eine vollständige Umrundung: Die Mitternachtssonne steht, Walbeobachtungen in Nordisland erreichen ihren Höhepunkt, und die Anlandefenster sind am verlässlichsten. September bringt ruhigeres Licht, weniger Betrieb und die ersten Polarlichter in klaren Nächten, auch wenn die Tage bereits kürzer werden.
Der Nordatlantik bleibt zu jeder Zeit ein eigenständiger Faktor. Offene Passagen können auch im Sommer bewegt sein; geschützte Fjordabschnitte dagegen sind oft überraschend still.
Auf keiner anderen europäischen Kreuzfahrtroute ist die Verbindung aus Vogelwelt und Meeressäugern so dicht wie rund um Island.
Papageitaucher sind im Sommer schlicht allgegenwärtig. Rund um die Vestmannaeyjar-Inseln und an den Látrabjarg-Klippen brüten sie zu Hunderttausenden; man muss nicht suchen, sondern nur hinschauen. Buckelwale in der Bucht von Húsavík gehören zu den verlässlichsten Walsichtungen Europas, mit guten Chancen von Mai bis September. Minkwale und gelegentlich Orcas kommen in nordisländischen Gewässern hinzu.
Die Westfjorde sind die am wenigsten erschlossene Region Islands. Die Halbinsel ragt weit in den Nordatlantik hinein, die Fjordarme sind eng, das Wetter wechselhafter als anderswo, und genau deshalb kommen große Schiffe hier nicht hin. Was man stattdessen findet: Klippen wie Látrabjarg, die zu den größten Seevogelkolonien Europas gehören, stille Fjorde ohne Straße, und eine Abgeschiedenheit, die auf Island selbst schon selten ist.
Prägende Orte: Ísafjörður, Látrabjarg-Klippen, Dynjandi-Wasserfall, Hornstrandir
Die Nordküste ist die Seite Islands, die kaum ein Landtourist sieht. Húsavík gilt als eine der besten Walbeobachtungsstationen Europas; die Bucht Skjálfandi zieht im Sommer Buckelwale in einer Dichte, die selten ist. Dahinter liegt der Myvatn-See in einer geothermischen Landschaft, die zum Surrealsten gehört, was Europa geographisch zu bieten hat.
Prägende Orte: Húsavík, Akureyri, Siglufjörður, Hjalteyri
Die Ostfjorde sind das ruhigere, grünere Island. Weniger Vulkanismus, dafür tiefe, schmale Fjorde und ein Landschaftsbild, das an Norwegen erinnert, ohne es zu sein. Seyðisfjörður mit seiner bunten Architektur und dem Fähranschluss nach Europa ist der bekannteste Ort der Region, aber die Schönheit der Ostfjorde liegt in den Abschnitten dazwischen.
Prägende Orte: Seyðisfjörður, Djúpivogur, Reyðarfjörður, die Stokksnes-Halbinsel
Die Südküste ist geologisch das jüngste Island. Schwarze Sandstrände, aktive Vulkane, Gletscherzungen, die bis ans Meer reichen. Die Vestmannaeyjar-Inseln vor der Südküste sind eines der dichtesten Papageitaucher-Brutgebiete der Welt; in den Sommermonaten sind die Klippen buchstäblich bedeckt. Der Hafen von Reykjavík ist der Ausgangspunkt der meisten Routen, aber die Stadt ist auch für einen Tag vor oder nach der Kreuzfahrt ein Besuch wert.
Prägende Orte: Vestmannaeyjar, Heimaey, Vík, Jökulsárlón-Gletscherlagune
Viele Tage beginnen mit einer langsamen Fjordeinfahrt. Das Schiff navigiert in einen Arm hinein, der auf der Karte schmal aussieht und sich vor Ort als gewaltig erweist. Dann folgt ein Zodiac-Briefing, eine Anlandung auf schwarzem Vulkansand oder einen Kiesstrand, ein Fußweg durch Lavafelder oder eine geführte Tour zu einer geothermischen Region. Zurück an Bord: Mittagessen, eine Küstenpassage mit Vogelbeobachtung vom Deck, und gegen Nachmittag das nächste Zeitfenster an Land.
Körperlich verlangt Island mehr als das Mittelmeer, aber deutlich weniger als eine Polarexpedition. Lavafelder sind uneben, Küstenpfade feucht, Anstiege zu Aussichtspunkten gelegentlich kurz aber steil. Gutes Schuhwerk ist wichtiger als Ausdauer. Wer sich die Zeit nimmt, langsam zu laufen und hinzuschauen, erlebt mehr als jeder, der schnell sein möchte.
Für eine Kreuzfahrt rund um Island gilt dasselbe wie für Norwegen: Schiffsgröße entscheidet über Routenqualität. Nur kleine Schiffe kommen tief in die Westfjorde, ankern vor Látrabjarg, warten auf ein Wetterfenster und nutzen es dann. Größere Schiffe fahren Reykjavík und Akureyri an und lassen den Rest aus.
Reedereien wie Ponant, HX Expeditions, Hapag-Lloyd Cruises und Silversea sind in Island besonders aktiv. Die Spanne reicht von klassisch-luxuriösen Konzepten mit großzügigem Bordkomfort bis zu intensiven Expeditionsformaten mit täglichen Zodiac-Anlandungen und Naturvorträgen. Island funktioniert für beides, aber die Wahl bestimmt, welches Island man sieht.
Island ist über Reykjavík vergleichsweise unkompliziert erreichbar, dennoch empfiehlt sich vor Beginn einer Luxuskreuzfahrt nach Island eine Vorübernachtung. Wetterlagen im Nordatlantik können Flug- und Fährverbindungen kurzfristig beeinflussen.
Viele Expeditionsreedereien stellen wetterfeste Außenschichten oder Zodiac-Parkas; entscheidend bleibt trotzdem ein flexibles Lagensystem. Wind- und Nässeschutz sind wichtiger als extreme Kälteausrüstung. Gerade bei Zodiac-Anlandungen auf schwarzen Vulkanstränden oder feuchten Küstenpfaden erweist sich funktionale Kleidung schnell als relevanter als formelle Garderobe.
Island verändert seinen Charakter innerhalb weniger Seemeilen, manchmal innerhalb einer Stunde. Was vor dem Frühstück noch ein ruhiger Fjordarm war, ist nach dem Mittagessen eine offene Nordatlantikküste mit Papageitauchern auf jedem Felsvorsprung. Diese Unmittelbarkeit ist das, wofür viele Gäste wiederkommen.
Welche Route, welche Jahreszeit, welches Schiff zu Ihnen passt: Das besprechen wir gerne persönlich.